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2.5 Evaluierung

Auch die Evaluierung gehört nicht mehr zu den Phasen einer Organisationsuntersuchung. Gleichwohl sollen an dieser Stelle einige Hinweise zu diesem Thema gegeben werden, da die Evaluierung wichtiger Bestandteil des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ist.

Der Begriff der Evaluierung (oder Evaluation) wird zumindest im Sprachgebrauch nicht eindeutig benutzt. Er dient zumeist als Bezeichnung für verschiedenartige Bewertungen. Als Evaluierung im wissenschaftlichen Sinne wird jedoch nur die Bewertung von Evaluierungsgegenständen durch "die Nutzung empirischer Forschungsmethoden und die Einhaltung der hiermit verbundenen wissenschaftlicher Standards" [1] bezeichnet.

Einen neuen Aufschwung erhielt das Thema durch die Modernisierungsbestrebungen in der öffentlichen Verwaltung. Zunächst beschränkte sich der Nachweis von Effektivität auf Projekte und Programme im Bereich Gesundheit, Bildung und Soziales, mittlerweile erstreckt sich das Thema aber auch auf Projekte mit Modernisierungsinhalten.

Die Durchführung von Evaluierungen ist immer mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung von Produkten und Leistungen verbunden und soll zu diesem Zweck die Transparenz von Abläufen verbessern, Zusammenhänge aufzeigen und Wirkungen dokumentieren.

Zur Erfüllung dieser Ziele hat die Evaluierung folgende Funktionen [2]:

  • Erkenntnisfunktion: Evaluierungen können mit dem Ziel durchgeführt werden, wichtige Erkenntnisse über die Effizienz, Effektivität und Akzeptanz von Abläufen zu gewinnen, aus denen Steuerungsinformationen und Entscheidungsgrundlagen für die Zukunft abgeleitet werden können.
  • Lernfunktion: Evaluierungen können dem gemeinschaftlichen Lernen und der eigenen Verbesserung dienen.
  • Legitimationsfunktion: Evaluierungen liefern einen überprüfbaren Nachweis für die Zusammenhänge von Maßnahmen und Wirkungen und dienen so zur Legitimation der eigenen Arbeit.
  • Kontrollfunktion: Evaluierungen können zur Offenlegung von Informationen und somit zur Kontrolle dienen.

Es existieren verschiedene Arten von Evaluierungen, welche anhand der folgenden Kriterien unterschieden werden können:

1. zeitlicher Horizont (Wann?)

Evaluierungen können vor (ex ante), während (prozessbegleitend) oder nach (ex post) der Realisierung eines Projektes, Programms oder einer Maßnahme durchgeführt werden.

  • ex ante: Die ex ante Evaluierung hat formativen, gestaltenden Charakter und soll dabei helfen, die Planung eines Projektes oder einer Maßnahme zu verbessern. In diesem Handbuch wird der Aspekt durch die Themen Projektplanung und Voruntersuchung abgedeckt.
  • prozessbegleitend: Die Evaluierung soll der Gewinnung von Informationen während der Durchführung dienen und hat ebenfalls gestaltenden Charakter. Die prozessbegleitende Evaluierung deckt sich inhaltlich mit dem Thema Projektcontrolling.
  • ex post: Die ex post Evaluierung findet im Anschluss an ein Projekt oder im Anschluss an die Umsetzung der Maßnahmen des Konzepts statt. Die Evaluierung im Anschluss an die Organisationsuntersuchung hat das Ziel, Informationen und Erkenntnisse über deren Verlauf zu erlangen. Die Evaluierung im Anschluss an die Umsetzung der im Konzept vorgeschlagenen Maßnahmen dient der Analyse und Bewertung von Wirkungen.

2. Durchführende (Durch wen?)

Evaluierungen können sowohl durch interne als auch externe Personen (Evaluierende) durchgeführt werden. Als intern wird eine Person in diesem Zusammenhang dann bezeichnet, wenn sie am zu evaluierenden Projekt oder der Maßnahme beteiligt war oder davon betroffen ist. Externe Personen sind folglich solche, die weder beteiligt waren, noch von den Folgen betroffen sind.

interne Evaluierungexterne Evaluierung
Vorteile
  • geringerer Aufwand, da Evaluierende bereits über Sachkenntnis verfügen
  • Objektivität und Unabhängigkeit der Evaluierenden

  • hohe Methodenkompetenz
Nachteile
  • möglicherweise mangelnde Methodenkompetenz

  • Mangel an Unabhängigkeit und
    Distanz
  • möglicherweise Mehraufwand, da Evaluierende sich zunächst in Inhalte einarbeiten müssen

  • mögliche Widerstände / Akzeptanzprobleme

Vor- und Nachteile interner und externer Evaluierungen

3. Gegenstand (Was?)

Gegenstand einer Bewertung können zum Beispiel Prozesse, Projekte, Personen, Organisationen oder auch politische Maßnahmen und Programme sein.

Die weiteren Ausführungen im Kontext dieses Handbuches beziehen sich auf die nachträgliche Auswertung der Organisationsuntersuchung beziehungsweise des Organisationsprojektes und auf die Wirkungsanalyse der Maßnahmen nach deren Umsetzung.

Fußnote

[1] Vgl. Stockmann (2006), S.12.
[2] Vgl. Stockmann (2011), Informationen zu "Was ist eine gute Evaluation?"

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